[Vorgeschmack auf Band 5]
„Kapitän! Drei velorianische Schiffe auf Angriffsvektor!“, rief Rivers. „Zwei goutas, eine ruja!“
Glen studierte die Ausgabe auf dem Hauptbildschirm. „Pilot, Ausweichmanöver! Waffen, so schnell wie möglich einsetzen! Sorgen Sie dafür, dass sie uns nicht einkesseln können!“
„Aye, Sir!“, bestätigten Ludmilla und Jiăng.
„Schon wieder die Velorianer?“, murmelte Nick von seinem Sitz neben Glen.
„Was denn, bist du so begierig darauf, es mit den anderen Aliens aufzunehmen?“, grinste der Kapitän, während er die Daten betrachtete, welche von verschiedenen Stationen auf die vier Holo-Bildschirme vor ihm übertragen wurden.
Sein XO schüttelte mit einem leisen Lachen den Kopf und konzentrierte sich auf das Zusammenspiel der anderen Brückenbesatzungsmitglieder. Mit sicherer Hand führte er sie, brach Glens Befehle in kleinere Schritte herunter und passte sie nach Bedarf an. Er machte seine Sache gut. Der Bursche sah fast wieder normal aus, kaum eine Spur von der Tortur, die sein Geist und sein Körper noch vor Kurzem durchgemacht hatten. Er muss wohl hart trainieren.
Glen riss sich aus seinen privaten Grübeleien los, um sich wieder der aktuellen Situation zu widmen. Es war erstaunlich, wie schnell die Gateshot die ruja erledigte, wenn sie nicht durch lähmende technische Probleme und moralische Überlegungen behindert wurde. Die Brückenbesatzung hatte sich in den letzten Monaten gut zusammengefunden und arbeitete Hand in Hand wie ein Uhrwerk.
Bis jetzt war nur ein kleiner Störfall aufgetreten. Er blickte zu der leeren Konsole zu ihrer Linken hinüber. Wo war seine Schiffsmeisterin? Sie hatte sich gemeldet, um ihm mitzuteilen, dass es ein wichtiges Problem zu lösen gäbe, doch das war schon fast fünfzehn Minuten her. Eve mochte vieles sein, unpünktlich gehörte jedoch nicht dazu. Und sie wusste um diesen Einsatz.
„Keine Sorge, sie wird schon noch auftauchen“, murmelte Nick, während seine Finger über seine Bildschirme flogen. „Außerdem kommen wir auch ohne sie ganz gut zurecht, oder?“
„Sicher …“, etwas in Glens Hinterkopf juckte. Sie kamen zu gut zurecht. So einfach konnte es doch nicht sein, oder?
„Kapitän!“ Rivers’ Stimme stieg um einige Oktaven. „Zwei weitere Schiffe sind gerade auf unseren Scannern aufgetaucht! 20 km entfernt, hinter uns, sie zielen auf unsere Flanken. Sie kamen aus dem Nichts und sind riesig!“
„Pilot, Manöver Z-34 ausführen“, befahl Nick.
„Z-34 ausführen“, wiederholte Ludmilla brav und änderte bereits ihr Flugmuster in einen steilen Sturzflug, um sich in einer Schraubenbewegung von dieser neuen Gefahrenquelle zu entfernen.
„Scanner, wie stark ist ihre Panzerung?“, verlangte Jiăng zu wissen.
„Ich arbeite daran.“ Ihre Augen auf die Konsole geheftet, saugte Redhead Rivers konzentriert an ihrer Unterlippe.
Hinter ihnen öffnete sich die Tür zur Brücke. Zielstrebige Schritte, die vom Teppich gedämpft wurden. Allerdings nicht die leichten Schritte einer Frau. Glen blickte über die Schulter. Ein leichtes Kribbeln lief ihm den Rücken hinunter. „Lt. Federov. Sollten Sie nicht bei Ihren Leuten sein?“
„Hangar 4 wurde getroffen“, rief Lt. Okoro, der neben Rivers an einer zusätzlichen Scannereinheit saß. „Große Sprengkörper, aber nur minimale Schäden.“
Nick und Glen tauschten einen kurzen Blick aus.
„Sekundäre Sprengschilde werden versiegelt“, verkündete Dr. Lustig, ihr leitender Ingenieur.
Als Federov einfach weiter marschierte, ohne auch nur eine Antwort zu geben, wurde das Kribbeln zu einem regelrechten Schauer.
„Halten Sie ihn auf!“, forderte Glen und zeigte auf zwei Offiziere, die Hilfskonsolen bedienten.
Als sie ihm in den Weg traten, sprang der Plutonier vor und traf einen von ihnen mit einer ausholenden Bewegung, die auf den Bauch des Mannes zielte. Der Offizier erstarrte, blickte nach unten und blinzelte. Dann sackte er zu Boden. Federov griff bereits den anderen an, das Messer noch in der rechten Hand, die Pistole in der linken.
„Scheiße!“ Glen drückte auf den Schnellverschluss seiner Gurte und sprang auf die Füße. „MacAllister an Sicherheit, die Brücke wird angegriffen! Schicken Sie Verstärkung!“
Mit großen Augen sprang auch Nick auf die Füße. „Verdammt, Federov hat uns reingelegt! Singh, übernehmen Sie die Kontrolle über die Brücke!“
„Aye, Sir!“, bestätigte der zweite Offizier.
„Hangar 4 ist versiegelt.“ Lustig warf einen Blick zurück auf das Geschehen, aber er war professionell genug, um weiter seiner Arbeit nachzugehen. Einige der anderen starrten ebenfalls, mit Ausnahme von Ludmilla und Jiăng, welche völlig in die Bewältigung der externen Bedrohung vertieft waren.
„Scanner!“, forderte Jiăng und riss die mit großen Augen starrende Rivers in die Pflicht zurück.
Verdammte Axt! Wo waren die die Brücke schützenden Drohnen?
„Keine Anzeige“, meldete Rivers. „Ich kann ihre Abschirmung nicht durchdringen!“
„Lt. Jiăng, greifen Sie sie mit allem an, was wir haben!“, befahl Singh. „Wir werden sehen, ob wir sie nicht knacken können!“
„Aye, Sir.“ Jiăng blickte zu Ludmilla. „Pilot, geben Sie mir einen Angriffsvektor!“
„Schon dabei.“ Die Stimme der Frau mit dem Aussehen einer grauhaarigen Bibliothekarin war vor Konzentration angespannt.
Nick und Glen zogen sich eilig von ihrer zentralen Position auf der Brücke zurück und suchten sich einen halbwegs geschützten Platz an der linken Wand. Ein Wartungstechniker kauerte bereits in der Nähe des Waffenschranks, als Glen ihn mit seinem Daumenabdruck entriegelte. Federov machte sich über zwei weitere Besatzungsmitglieder her wie ein gefräßiger Dämon über eine Gruppe Nonnen. Er hielt sich das letzte als menschlichen Schutzschild vor und richtete seine Pistole auf Glen.
„Runter!“ Nick stieß Glen beiseite, und die für seinen Vorgesetzten bestimmte Kugel traf ihn direkt in die Brust.
„Ah, verdammt!“, murmelte er und sackte zu Boden.
„Kapitän, interner Sensoralarm!“ Rivers’ Kopf schnellte wild herum. „Eindringlinge strömen aus Hangar 4. Mindestens ein Dutzend! Interne Verteidigung reagiert nicht!“
„Ich arbeite daran.“ Lustigs Stimme blieb ruhig, seine winzigen Finger flogen mit zunehmender Geschwindigkeit über seine Konsole.
„XO ist außer Gefecht!“ Glen prallte hart gegen die Wand und griff sich eine der Waffen aus dem Spind.
Federov hatte sich bereits in Deckung begeben. Seine Hand erschien kurz über dem Stuhl des Kapitäns, um zwei Kugeln abzufeuern. Eine traf Lustigs Glatze, und der leitende Ingenieur fiel vornüber auf seine Konsole. Das Mädel neben ihm sprang mit einem kleinen Schreckensschrei auf. Die nächste Kugel traf sie.
Begierig, die Gelegenheit zu nutzen, drückte Glen ab, doch es passierte nichts. Scheiße, das Ding war verklemmt!
Mit einem Grinsen im Gesicht schwang sich Federov über den Stuhl und stürzte sich mit einem Messer in der Hand auf Okoro und Rivers. Während der erste in seinem Stuhl festschnallt starb, sprang die Rothaarige auf und nahm eine Kampfhaltung ein. Sie wich dem Messerstoß um Haaresbreite aus und versetzte dem Angreifer einen geschickten Tritt gegen das Schienbein. Durch den überraschenden Konter verfehlte Federov seinen Schuss und stolperte gerade lange genug, dass sie über eine weitere Konsole vorerst in Sicherheit springen konnte.
„Die Velorianer haben uns getroffen!“ Jiăngs mandelförmige Augen weiteten sich, als er zwischen seiner Konsole, der einzigen Verteidigung, die das Schiff gegen die Angreifer von außen hatte, und dem Verrückten, der nur wenige Meter entfernt seine Kollegen abschlachtete, hin und her sprang. „Erhebliche Schäden in den Quadranten 42/10-45/05!“
„Die Eindringlinge gewinnen an Boden!“, warf eine andere panische Stimme ein.
Verdammte Axt! Wo zum Teufel war Eve? Sie hätte Federov sofort ausgeschaltet und gleichzeitig noch die unbesetzten Konsolen übernommen.
Glen riss das Magazin aus seiner Waffe und prüfte es eilig. Wie er vermutet hatte, war der Ladehemmer absichtlich herbeigeführt worden, doch diese Art von Sabotage ließ sich leicht beheben. Singh hatte mehrere andere um sich geschart, und sie stürzten sich auf Federov, als dieser sich umdrehte, um auf die am Boden kauernde Rivers zu zielen. Sie hätten ihn aufgrund ihrer schieren Anzahl um ein Haar bezwungen, allerdings fehlte ihnen die Kampferfahrung des Voidwalkers, sodass es nur einen Fehler brauchte, um die Situation zu kippen. Federov erkannte das schwache Glied sofort. Er brachte einen seiner Angreifer zu Fall und stieß ihn dann in einen zweiten, bevor er sich auf die zu Boden gefallene Waffe stürzte.
„Singh, runter!“, befahl Glen, während er sich dem Tumult zuwandte und das verklemmte Magazin wieder einsetzte.
Die Kugel traf Federov mitten auf die Stirn und spritzte rote Flüssigkeit über sein ganzes Gesicht. Gleichzeitig schlang sich ein Arm von hinten um Glens Brust, kalter Stahl strich über seine Kehle und hinterließ ein feuchtes Gefühl.
Scheiße.
Glen ließ die Pistole fallen und wollte zu Boden sinken, da berührte eine leichte Hand seinen Ellbogen, und eine resonante Stimme murmelte: „Nicht nötig. Sie waren das eigentliche Ziel.“
„Nun, eines davon“, Federov richtete sich auf, steckte seine Waffen weg und berührte die feuchte Stelle auf seiner Stirn, „wir haben in jedem Fall gewonnen.“
Die außerirdischen Schiffe, welche auf dem Hauptbildschirm auf sie zusteuerten, erstarrten. Ein rotes Banner überlagerte das Bild und zeigte die Meldung: „Simulation abgeschlossen.“ Der dunkelhäutige Mann im Wartungsoverall trat zurück und reichte dem Kapitän einen Lappen.
„Es ging also nicht darum, die Arbeit der Brückenbesatzung unter Stress zu beobachten, wie ich annehme?“ Glen nahm ihn an und wischte sich die Farbe vom Hals. „Oder hatten Sie nur eine andere Art von Stress im Sinn als die, über die wir sprachen?“
„Niete“, Federov fischte eine kleine Packung Feuchttücher aus den Taschen seiner Uniformjacke, wischte sich die Stirn ab und warf den Rest Lustig zu. „Da ich sehr bald für die Sicherheit auf diesem Schiff verantwortlich sein werde, wollte ich, dass Sie und Ihre Brückenbesatzung verstehen, wie gefährdet Ihre Einrichtung wirklich ist. Wir sind ungehindert auf diese Brücke spaziert, obwohl Sie gerade eine Begegnung mit einem Gestaltwandler hatten. Vor dem wichtigsten Teil dieses Schiffes gibt es keinen Kontrollpunkt, keine Männer, die Wache stehen. Sie gehen zu sorglos mit überraschenden Gefahren um. Sie verlassen sich zu sehr auf Ihre Technologie, um Ihre Sicherheit zu gewährleisten.“
Glen konnte nur seine Lippen zu einem schmalen Strich zusammenpressen, während er einem der am Boden liegenden Offiziere aufhalf.
„Und das war nur ein einköpfiges Einsatzteam. Plus ein Infiltrator.“ Federovs Stimme wurde schärfer, sein Blick schweifte kurz zu dem Mann neben Glen. „… der unsichtbar bleiben und mit allen Daten, die er sammeln konnte, verschwinden sollte!“
Der von ihm indirekt angesprochene Plutonier reichte einem weiteren Besatzungsmitglied eine helfende Hand. Seine Stimme war entspannt, als er antwortete: „Ich hatte meine Erkenntnisse bereits übermittelt. Mein Job war erledigt.“
„Aber Sie beide hätten keinen Selbstmordeinsatz ausgeführt, hätte es sich nicht um eine Simulation gehandelt.“ Nick erhob sich und fing die Tücher auf, welche Lustig ihm zuwarf.
„Ich vielleicht nicht.“ Der Infiltrator zuckte mit den Schultern. „Doch wären wir Parruche gewesen oder Klone oder beides? Dann hätten wir es mit Sicherheit getan. Verabschieden Sie sich von diesen beschützten Vorstellungen, Commander. Sie werden Ihnen hier draußen wenig nützen.“
Die Tür zur Brücke öffnete sich. Eine winzige Drohne flog herein und steuerte auf die ausgestreckte Hand des Mannes zu. „Hier, Kapitän. Sie finden darauf Daten von jeder Brückenkonsole. Das einzige Ziel, auf das ich keinen Zugriff erhalten konnte, war Ihr Büro.“
„Das sind fünf Punkte für uns.“ Federov schien nun etwas weniger verärgert. „Einer für Sie. Und meine Argumentation steht. Wenn ich zwei bis vier Leute mitgebracht hätte – nicht einmal eine ganze Truppe, nur ein paar gut ausgebildete Personen, die mir den Rücken freihalten – wären wir genauso schnell gewesen und hätten diese Brücke innerhalb von Sekunden in Stücke geschossen. Es wäre ein Massaker gewesen! Als ob man Ratten in einem Käfig plattmacht.“
Rivers schluckte, ebenso wie einige andere. Nick und Glen tauschten einen entschieden unbehaglichen Blick aus. Verdammte Axt, Federov hatte Recht.
„So wie es aussieht, haben wir …“ Federov zählte demonstrativ alle Getöteten durch und zeigte am Ende mit dem Finger auf den Kapitän. „… zwölf von achtzehn Menschen auf dieser Brücke ausgeschaltet, einschließlich der beiden kommandierenden Offiziere. Und davor Frau Baileywick. Sie haben einen erschossen. Das macht achtzehn zu zwei Punkten.“
„Wir haben außerdem den Waffenschrank und die Wachdrohnen sabotiert“, bestätigte der Infiltrator Glens Verdacht.
„Sonst noch etwas?“, erkundigte sich sein Vorgesetzter.
Der Mann zuckte mit den Schultern. „Möglicherweise.“
„Gut. Also ein sicheres 20:2.“ Federov schüttelte den Kopf. „Das geht so nicht, Admiral. Wir müssen Ihre Sicherheitsvorkehrungen komplett überdenken. Meinen Sie nicht auch?“
Verdammte Axt, wie konnte er etwas anderes sagen als: „Aye, ich schätze, das müssen wir wohl.“
Ein selbstzufriedenes Lächeln erhellte das harte Gesicht des Lieutenants für einen Moment. Er legte zwei Finger an sein Ohr als Zeichen für eine eingehende Nachricht: „Hier Ironwing.“
Die Tür zur Brücke öffnete sich. Eve schritt herein, mit einem unlesbaren Gesichtsausdruck. Sie stoppte neben Glen, beide Hände auf dem Rücken verschränkt. Auch ihr Nacken und Rücken waren mit Farbe markiert.
Nach einer Minute nickte Federov. „Gut gemacht. Rückzug und Aufräumen.“
Glen blickte zu seiner Schiffsmeisterin hinüber und zog fragend eine Augenbraue hoch.
„Die Plutonier haben die Landung von Außerirdischen aus Hangar 4 simuliert“, die graublauen Augen funkelten, während sich ihr Mundwinkel langsam hob. „Sie haben sich Kostüme aus Bettlaken und dergleichen angefertigt. Es war ziemlich amüsant, ihnen zuzusehen.“
„Amüsant ist nicht wirklich das richtige Wort dafür.“ Federov konnte sein eigenes Grinsen nicht ganz verbergen. „Es ging darum, zu ermitteln, wie lange Ihre Sicherheitskräfte brauchen, um zu reagieren und sich zu organisieren … Sagen wir einfach, der Punktestand ändert sich nicht wesentlich.“
Mit einem tiefen Seufzer fing er die traurigen Reste seiner Tücher auf. „Das wird eine Menge Arbeit werden …“
„Also, was ist passiert?“, fragte Glen Eve, nachdem die Plutonier abgezogen waren und er eine stark demoralisierte Brückenbesatzung zur Erholung in die Mittagspause geschickt hatte. Er beorderte Nick und sie zu einer kurzen Nachbesprechung in sein Büro.
„Lt. Federov ließ mich hinhalten, damit er mich zuerst ausschalten konnte.“ Das Mädel kämmte ihren karibikblauen Zopf nach vorne, um die neongrünen Farbsprenkel besser begutachten zu können. „Anscheinend hielt er mich für einen zu großen Trumpf in Ihren Händen.“
Klang da etwa Selbstzufriedenheit in ihrer Stimme mit?
„Nun ja“, Glen kratzte sich am Kinn, „er ist verdammt schlau. Vielleicht hätte ich ihn ziehen lassen sollen. Dann hätten wir vielleicht einen … naiveren Aufseher bekommen.“
„Das wäre ein Glücksspiel gewesen und hätte seine eigenen Gefahren mit sich gebracht.“ Nick schüttelte den Kopf. „Nein, so ist es besser. Außerdem hat er recht.“
„Das will ich gar nicht abstreiten.“ Glen konnte das Knurren in seiner Stimme nicht ganz unterdrücken. „Es scheint mir nur gerade ein schlechter Zeitpunkt, es den Leuten unter die Nase zu reiben. Wir haben die Piraten gerade so überlebt, unser Schiff ist immer noch schwer beschädigt, und unsere Crew braucht einen Muntermacher, keinen weiteren Dämpfer.“
„Vielleicht.“ Nick kratzte seinen Undercut. „Andererseits haben wir nur noch ein paar Wochen Zeit, bevor wir uns auf den Weg zum Tor machen, und Dinge wie Sicherheitskontrollen und dergleichen sollten in den neuen Brückenspezifikationen enthalten sein, bevor wir Reparaturen und Renovierungen im Dock durchführen lassen. Jetzt können wir sie noch einplanen. Jetzt haben wir noch Zeit, die Leute in einer sicheren Umgebung zu schulen.“
Aye, Glen war sich dessen bewusst. Dennoch … die Art und Weise, wie Federov seine Brücke, Glens Machtzentrum, überfallen hatte, ärgerte ihn maßlos. … Und der Infiltrator …
„Dieser Infiltrator …“
„Sgt. Ermolai Ronne“, ergänzte Eve, „wird selbst in privaten Gesprächen nur mit seinem Codenamen ‚Ghost‘ angesprochen.“
„Er war … unheimlich.“
„Ich habe ihn nirgendwo gesehen.“ Nick runzelte die Stirn.
„Ich habe ihn neben dem Waffenschrank gesehen, aber dann …“ Glen machte eine vage Geste. „Habe ich einfach … vergessen, dass er da war. Plötzlich war er direkt hinter mir, und ich habe es nicht bemerkt!“
Die Schiffsmeisterin nickte. „Es fällt mir schwer, ihn mit Kameras und Sensoren zu verfolgen. Er scheint die meiste Zeit zu verschwinden. Ich vermute, es ist Magie. Vielleicht sogar eine instinktive Art. Sie wissen, dass ich Magie nicht begreifen kann.“
Richtig, das war Teil ihrer Kernprogrammierung.
„Was ich aber wirklich gerne wissen würde“ – Nick beugte sich mit einem schelmischen Funkeln in den Augen über den Tisch – „ist, wie es Federov geschafft hat, unsere mächtige Wächterin so einfach und mit nur zwei Schüssen auszuschalten. Ohne dass es jemand bemerkt hat.“
Eve hielt seinem Blick stand, schüttelte ihren Zopf aus, und die Sprenkel, die ihn bedeckten, zerfielen zu Staub. „Nun“, meinte sie grinsend, „dann solltest du ihn vielleicht nach den Details fragen. Ich habe nämlich keine Lust, sie zu teilen.“
Unwillkürlich legte sich ein Stirnrunzeln auf Glens Gesicht. Was hatte es damit auf sich? Hatte Federov ihren Stolz genauso sehr verletzt wie seinen?
Nachdem sie endlich das neueste Problem des plutonischen Quartiermeisters mit dem Design der Gateshot-Crewquartiere gelöst hatte, eilte Eve zum Aufzug. Sie schaltete sich in die Kameras auf der Brücke ein und sah, dass die Simulation bereits begonnen hatte. Zu ihrem Glück war ihre Anwesenheit als Schiffsmeisterin nicht zwingend erforderlich, insbesondere da Nick wieder im aktiven Dienst war. Dennoch erwartete Glen sie dort, und sie hasste es, zu spät zu kommen.
Gerade als sich die Türen hinter ihr schlossen, huschte jemand anderes mit in die kleine Kabine.
Eve runzelte die Stirn. „Sollten Sie nicht bei Ihren Truppen sein, Lieutenant?“
„Oh, ich bin gerade auf dem Weg dorthin.“ Federov schüttelte den Kopf. „Ich wurde aufgehalten. Und sollten Sie nicht auf der Brücke sein?“
„In der Tat. Halten Sie sich fest.“ Eve startete den Aufzug und wählte die Express-Einstellung. Während sie perfekt im Gleichgewicht blieb, musste Federov einen Schritt zur Seite machen, um den plötzlichen Ruck auszugleichen.
„Was zum …“
Zuerst dachte sie, er beziehe sich auf die abrupte Beschleunigung, doch sein Blick war an ihr vorbei gerichtet.
„Spielt dieses Mädchen wieder mit Magie?“
Eves Augen weiteten sich. Suzy würde sich doch nicht noch mehr Ärger einhandeln, oder? Machte Rupert etwas, um Federov gegen sie aufzubringen?
Da sie auf den Kameras nichts Ungewöhnliches erkennen konnte, blickte sich Eve rasch um. Kaum hatte sie den Blick abgewandt, packte der Plutonier sie von hinten am Hals und beschmierte ihn mit einer klebrigen Substanz. Gleichzeitig zog er mit der linken Hand seine Pistole. Es gelang ihm, einen Schuss abzugeben, bevor sie sich herumdrehte, ihn am Kragen packte und vom Boden hochhob. Seine Waffe fiel klappernd zu Boden, als sein Rücken mit einem dumpfen Aufprall gegen die Wand schlug. Ein winziger Ausdruck von Schmerz huschte über sein Gesicht.
„Ich habe Sie markiert“, keuchte er.
Eve berührte mit der freien Hand die klebrige Substanz in ihrem Nacken und betrachtete sie. Grüne Farbe. „Sie hätten mich betäubt und erschossen?“
„Für den Zweck dieser Simulation habe ich das.“ Federovs Stimme blieb ruhig, wenngleich sein Herzschlag sich geringfügig beschleunigt hatte. „Hat für die Meuterer funktioniert. Wäre das hier jedoch echt gewesen, hätte ich einen anderen Weg gewählt. Vielleicht die Kabine mit Sprengstoff ausgekleidet oder eine Selbstmorddrohne geschickt, um Sie zu zerfetzen. Doch das ist schwer nachzuahmen, ohne tatsächlichen Schaden zu riskieren.“
„Verstehe.“ Die Wächterin setzte ihn zurück auf seine Füße, drückte ihn jedoch weiter gegen die Wand. „Sie haben den Quartiermeister beauftragt, mich aufzuhalten.“
„Da.“
Sie legte den Kopf schief. „Warum bin ich das erste Ziel?“
„Das hat mehrere Gründe.“ Federov fischte einen Lappen aus seiner Tasche und wischte die Farbreste von seiner künstlichen Hand. „Hauptsächlich, weil die Besatzung zu sehr davon abhängig ist, dass Sie ihre Fehler ausbügeln. Sie können jeden Posten übernehmen, sogar mehrere gleichzeitig. Sie sind ein Sicherheitsnetz, das ich durchtrennen muss, wenn die Brückenbesatzung verstehen soll, wie tief der Fall tatsächlich ist. Es geht mir nicht darum, mich zu profilieren, sondern der Crew ihre blinden Flecken vor Augen zu führen. Sie verstehen sich als ihr Lehrer, daniete?“
Eve nickte. Diese Simulation war nicht das, was Federov behauptet hatte. Es ging nicht darum, die Brückenbesatzung in Aktion gegen eine externe Bedrohung zu beobachten. Es ging darum, zu sehen, wie sie auf Überraschungen reagierte. Darum, Lücken in ihrer Verteidigung und ihrer Wahrnehmung zu entlarven.
„Dann sollten Sie wissen, wie wichtig es ist, einen Schritt zurückzutreten und sie stolpern zu lassen. Manche Dinge kann man nicht durch Worte vermitteln, man muss sie zeigen.“
Mit einem inneren Seufzer schloss die Wächterin kurz die Augen. Das war der Teil, den sie noch immer nicht vollständig beherrschte. Sie wusste jedoch um diese spezielle Schwachstelle, und entweder hatte er das erkannt oder einfach sehr gut geraten. Außerdem – darauf wies sie eine spitzbübische Stimme in ihrem Inneren hin – hatte Glen, ihr Hauptschüler, die Plutonier an Bord ihres Schiffes gelassen und vereinbart, dass sie bleiben durften. Er hatte ihr gesagt, dass sie, wenn sie wolle, dass er ihr Kapitän sei, die Verantwortung für die Führung an ihn abgeben müsse. Wenn es Federov also tatsächlich gelingen sollte, ihren Kapitän zu überlisten, wäre Glen selbst schuld. Und vielleicht gab es etwas, das der Plutonier dem alten Schotten beibringen konnte. Etwas, für das Eve zu „unerfahren“ war, um es zu wissen oder mit ihm zu teilen.
Mit einem schmalen Lächeln ließ Eve Federov frei. „Sie wollen also, dass ich mich totstelle?!“
„Da.“ Er hob seine Schusswaffe auf. „Und ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie die Kabine zwei Decks unter der Brückenebene anhalten und sich hier einschließen würden, bis die Simulation vorbei ist. Dann muss ich die nicht wirklich sabotieren.“ Er hielt eine kleine Tasche mit Haftbomben hoch. „Außerdem habe ich Ihnen in der Zeit, die mich das gekostet hätte, meine Beweggründe erklärt. Also scheint es nur fair, daniete?“
„Da.“ Die Kabine verlangsamend und anhaltend, sank die Wächterin auf die Knie, bevor sie mit dem Gesicht voran zu Boden fiel – genau so, wie sie es getan hätte, wenn der Lieutenant sie tatsächlich betäubt und erschossen hätte. „Ich wünsche euch Jungs viel Spaß.“
Federov schnaubte, als er die Tasche sanft auf den Boden abstellte. Dann sprang er hoch, um durch das Dach der Kabine zu verschwinden.